Drei Wege, eine Website bauen zu lassen: klassische Agentur, Freelancer oder eigenes Inhouse-Team. Jeder hat einen Preispunkt, einen typischen Ablauf und einen typischen Schmerz. Wer sich für den falschen entscheidet, zahlt doppelt — einmal an der Rechnung, einmal an den Nerven.
Weg 1 — Klassische Webagentur
Was du bekommst: Ein strukturiertes Projektteam — Account-Manager als Hauptansprechpartner, Projektleiter als Koordinator, Designer, Frontend-Entwickler, Backend-Entwickler, oft noch Tester und DevOps. Dokumentation, Verträge, Prozesse, Service-Level-Agreements.
Wann das passt:
- Großes Projekt mit mehreren parallelen Workstreams (Website + Shop + App + CRM-Integration)
- Konzern-Compliance-Anforderungen (ISO, BSI, BAIT)
- Du brauchst einen Partner, der auch nach dem Launch skaliert und 24/7-Support liefern kann
- Mehrere Stakeholder auf deiner Seite (Marketing, IT, Legal, Führung) — ein Account-Manager hilft die zu moderieren
Wann das nicht passt:
- Kleinere Projekte (Landing Page, Unternehmens-Website) — du bezahlst Overhead, den das Projekt nicht braucht
- Wenn du schnell iterieren willst — jede Änderung läuft durch die Kette Account-Manager → Projektleiter → Developer
- Wenn dein Budget klar unter 15.000 € liegt — die meisten seriösen Agenturen können das nicht wirtschaftlich abbilden
Typischer Schmerz: Die Seite wird gut, aber du verlierst das Gefühl für dein eigenes Produkt, weil zwischen dir und dem Code drei Menschen stehen. Details zu Auswahlkriterien im Artikel Webagentur finden — 9 Kriterien.
Weg 2 — Freelancer oder Kleinststudio
Was du bekommst: Eine oder zwei Personen, die mit dir sprechen und auch programmieren. Kurze Wege, persönliche Beziehung, fast keinen Prozess-Overhead. Oft spezialisiert auf eine Technologie oder Branche.
Wann das passt:
- Projekte im Bereich 2.000 – 20.000 € — Landing Page, Unternehmens-Website, MVP einer Web-App
- Du willst direkt mit dem sprechen, der baut — ohne Relay
- Du arbeitest schnell und pragmatisch, Prozess-Overhead nervt dich
- Du brauchst eine Person, die Kontext hält statt in einem Ticketsystem zu arbeiten
Wann das nicht passt:
- Sehr große Projekte mit vielen parallelen Workstreams — ein Freelancer skaliert nicht beliebig
- Wenn du 24/7-Support brauchst oder einen SLA mit Vertragsstrafen willst
- Wenn dein Compliance-Bereich formale Lieferantenstruktur verlangt (große Konzerne, Behörden)
Typischer Schmerz: Ausfallrisiko. Wenn der Freelancer krank wird, in Urlaub fährt oder wegzieht, liegt das Projekt. Seriöse Freelancer haben dafür Vertretungs-Netzwerke oder feste Partner. Trotzdem: das Risiko ist real.
Weg 3 — Eigenes Inhouse-Team
Was du bekommst: Einen oder mehrere fest angestellte Entwickler:innen, die ausschließlich an deinem Produkt arbeiten. Du hast sie jeden Tag verfügbar, Kontext entsteht natürlich, Iterationsgeschwindigkeit ist maximal.
Wann das passt:
- Deine Website oder Web-App ist ein zentrales Produkt deines Geschäfts (SaaS, E-Commerce-Marke, Plattform-Business)
- Du brauchst dauerhaft technische Weiterentwicklung, nicht nur eine einmalige Erstellung
- Du hast das Budget für Vollzeitkräfte: 60.000 – 100.000 € pro Jahr pro Entwickler:in plus Recruiting, Equipment, Management
- Du hast Führungskompetenz oder bist bereit, jemanden dafür einzustellen
Wann das nicht passt:
- Dein Projekt ist eine einmalige Sache — du brauchst keinen laufenden Entwicklungsaufwand
- Dein Team ist zu klein, um einen fest angestellten Developer sinnvoll auszulasten
- Du willst keine zusätzlichen Personalverantwortungen übernehmen
Typischer Schmerz: Rekrutierung. Gute Entwickler:innen sind teuer und schwer zu finden. Der Prozess dauert 3–6 Monate, Fehlbesetzungen kosten 30.000 € aufwärts. Und: eine Person allein ist ein Bus-Faktor — wenn sie geht, geht das Wissen.
Die Entscheidungs-Matrix
Drei Fragen in dieser Reihenfolge:
- Ist die Website oder Web-App ein dauerhaftes Produkt, das wöchentlich weiterentwickelt werden muss? → Ja: Inhouse, langfristig. Nein: weiter.
- Ist das Projekt unter 20.000 € Volumen und hast du maximal 2–3 Stakeholder? → Ja: Freelancer. Nein: weiter.
- Ist das Projekt über 20.000 €, mit mehreren parallelen Workstreams oder formalen Compliance-Anforderungen? → Ja: Agentur.
Für die meisten KMU im Bereich „Landing Page, Lead-Funnel, Unternehmens-Website, kleine Web-App" ist Weg 2 — Freelancer oder Kleinststudio — die wirtschaftlich und qualitativ beste Wahl. Die budgetäre Realität, Preise nach Weg aufgeschlüsselt, findest du im Artikel Was kostet eine Website 2026.
Was Hybride möglich machen
Nicht alles ist entweder-oder. Verbreitete Mischmodelle:
- Freelancer für den Bau + Inhouse für die Pflege: externe Expertise baut das Produkt, dein eigenes Team übernimmt laufende Änderungen.
- Agentur für Strategie + Freelancer für Umsetzung: die Agentur macht Audit, Konzept, Anforderungsmanagement; der Freelancer programmiert.
- Retainer-Modell: ein Freelancer oder Kleinststudio arbeitet stundenmäßig monatlich für dich — zwischen Agentur-Commitment und Inhouse-Kosten.
Was wir goldlab machen
Wir sind Weg 2 — Kleinststudio mit direktem Entwickler-Kontakt, spezialisiert auf die Projektgrößen 3.000 – 25.000 €. Wir nehmen keine Projekte an, bei denen Weg 1 oder 3 besser passen würde — das würden wir im Erstgespräch klar sagen und gegebenenfalls weiterempfehlen.
Nicht sicher welcher Weg für dein Projekt passt? Beschreib es kurz — wir geben dir eine ehrliche Einschätzung, auch wenn das bedeutet dass wir nicht dein Partner sind.
Häufige Fragen
Ist Freelancer immer günstiger als Agentur?
Meistens ja, bei gleichem Scope. Ein guter Freelancer kostet 60–150 € pro Stunde, eine mittelgroße Agentur 100–200 € pro Stunde. Aber: Agenturen skalieren besser bei großen Projekten und können parallel arbeiten. Auf Projektebene kann das die Kostenrechnung drehen.
Kann ich Freelancer und Agentur gleichzeitig nutzen?
Ja. Klassisch: Agentur macht Strategie und Konzept (starke Methodik), Freelancer setzt um (geringere Produktionskosten). Voraussetzung: klare Schnittstellen, damit die Agentur nicht Overhead für Freelancer-Koordination abrechnet.
Ab wann lohnt ein eigener Entwickler Inhouse?
Faustregel: Wenn du 12 Monate lang mindestens 40 % Vollzeit-Entwicklungsbedarf hast. Darunter sind externe Lösungen günstiger. Darüber zahlt sich Inhouse durch Kontext, Geschwindigkeit und Reaktionszeit aus.
Was kostet ein Fehlentscheidung?
Große Agentur für kleines Projekt: 30–50 % Overhead ohne Mehrwert. Freelancer für zu großes Projekt: verpasste Deadlines, Qualitätsprobleme bei Überlastung. Inhouse-Team für einmaliges Projekt: 60.000 € pro Jahr für einen 20.000-€-Job.
Wie erkenne ich, ob ein Freelancer zu klein für mein Projekt ist?
Wenn der Freelancer keine Referenzprojekte in vergleichbarer Größe hat und kein Partner-Netzwerk für Überlastungs-Spitzen nennen kann, ist das Projekt vermutlich zu groß. Frag konkret: „Was machst du wenn du in Woche 4 krank wirst?" Die Antwort zeigt dir den Reifegrad.